Systemischer Newsletter der GIS-Akademie

Unser Thema im März

Systemisches Denken und Handeln

Systemisches Denken und Handeln –
eine Ressource für unsere Arbeit und unser Leben

Vor einiger Zeit erzählte mir eine Teilnehmerin nach einem Seminar:
„Früher bin ich aus Teammeetings oft frustriert herausgegangen. Heute gehe ich eher neugierig
heraus.“

Neugierig – auf Dynamiken, unterschiedliche Perspektiven und das, was zwischen Menschen passiert.

Diese Veränderung zeigt, was systemisches Denken bewirken kann: Es unterstützt nicht nur
Klient*innen und Teams, sondern verändert auch unsere eigene Sicht auf Situationen und den Alltag.


Systemische Beratung & Coaching in der Praxis: Wirkungsvolle Arbeit mit Teams und Klient*innen

In Systemischer Beratung und Coaching betrachtet man Menschen als Teil eines Systems – Teams, Organisationen oder Netzwerke. Konflikte werden nicht personalisiert, sondern als Ausdruck von Interaktionsmustern verstanden.

Praxis-Tipp #1: Zirkuläres Fragen

Ein bewährtes Werkzeug ist das zirkuläre Fragen. Damit lassen sich die Sichtweisen verschiedener
Teammitglieder im Raum spürbar machen:

„Was denkst du, wie deine Kollegin diese Situation erlebt?“

Was ist zirkuläres Fragen?

Das zirkuläre Fragen ist eine systemische Fragetechnik, um:

• Einen schnellen Perspektivwechsel zu ermöglichen.

• Verborgene Beziehungsdynamiken im Team sichtbar zu machen.

Empathie für die Positionen anderer zu wecken.

Durch diese Art der Reflexion entstehen neue Sichtweisen, klarere Rollen und Lösungen direkt aus
den Ressourcen des Systems – nicht von außen vorgegeben.

Die systemische Arbeit stärkt damit die
Selbstorganisation, die Dialogfähigkeit und die gemeinsame Verantwortung im Team.

Die systemische Haltung entwickeln:
Selbstreflexion und Methoden für Berater*innen und Coaches

Systemisches Arbeiten wirkt auch nach innen. Viele Berater*innen und Coaches berichten, dass sich
ihre eigene Haltung verändert:

• Verschiedene Perspekiven gelten zu lassen

• Neugierig bleiben statt vorschnell zu bewerten

• Wechselwirkungen wahrzunehmen

• Ressourcen stärker sehen statt Defizite


Praxis-Tipp #2: Die Arbeit mit dem inneren Team

Ein weiteres kraftvolles Werkzeug ist die Arbeit mit dem inneren Team (oder die innere Aufstellungs- und
Positionierungstechnik).

Oft fühlen wir uns in Entscheidungssituationen innerlich zerrissen. Hier hilft es, die verschiedenen
„Stimmen“ in uns wie auf einer Bühne anzuordnen:

„Welcher Teil von mir möchte eigentlich gerade gehen und welcher möchte bleiben?“

Was ist die Arbeit mit dem inneren Team?

Diese systemische Methode dient der Selbstklärung und Entscheidungsfindung, um:

• Innere Konflikte und Ambivalenzen (das „Ja, aber...“) sichtbar zu machen.

• Die eigene Selbstführung und Souveränität in schwierigen Gesprächen zu stärken.

• Einen wertschätzenden Blick auf alle Persönlichkeitsanteile zu werfen.

In der praktischen Anwendung:

Stell dir vor, dass unterschiedliche Anteile in dir – etwa der gestresste, der kreative oder der vorsichtige – im Raum stehen.

Beobachte, wie sie miteinander interagieren und welche Bedürfnisse sie haben.

Gleichzeitig nimm die Haltung des inneren Beobachters ein: Schau neutral zu, ohne zu bewerten.

So erkennst du, wie diese Anteile deine Reaktionen beeinflussen, und gewinnst neue Handlungsspielräume.

Wenn wir innehalten und uns fragen:

• Was passiert hier gerade im System?

• Was triggert mich?

• Auf welche alten Muster greife ich instinktiv zurück?

• Welche neue Strategie könnte ich ausprobieren?

Dann entsteht echter Raum für Reflexion und nachhaltige Lösungen.

Systemisches Denken im Alltag: Muster erkennen und Handlungsspielräume erweitern

Systemisches Denken endet nicht im Beratungsraum. Es begleitet uns in Gesprächen mit Kolleg*innen, in der Teamarbeit oder in alltäglichen Situationen.

Es lädt ein, Muster zu erkennen, innezuhalten und immer wieder neue Perspektiven einzunehmen. So
entsteht mehr Bewusstheit im Handeln und Gestaltungsspielraum im Umgang mit anderen.

Manchmal führt das dazu, dass wir – wie die anfangs erwähnte Teilnehmerin – ein Meeting nicht
mehr frustriert verlassen, sondern neugierig: auf das System, in dem wir arbeiten, und auf die
Möglichkeiten, die darin entstehen.

Ein kleiner Impuls zum Mitnehmen: zwei Perspektiven, die unsere Sicht auf Alltag und Begegnung
öffnen:

„Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.“ Buddha

„Alles, was gesagt wird, wird von einem Beobachter gesagt.“Humberto Maturana
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Über den Autor

Markus Bundschuh

Geschäftsleitung Systemischer Bereich
Systemisch-integrativer Psychotherapeut (HeilprG)

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In unseren Weiterbildungen an der GIS-Akademie vertiefen wir die systemische Haltung und geben dir praktisches Handwerkszeug für Beratung, Coaching und Führung mit auf den Weg.

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